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Die Klasse 8c der Theodor-Heuss-Realschule überreichte
Bürgermeister Öhmann am Freitag Steine und Briefe , die er aus der Heimatstadt
der 19 jüdischen Coesfelder, die im Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort
fast alle ermordet wurden, mitnehmen wird. Auf Einladung des Volksbundes
Deutsche Kriegsgräberfürsorge werden viele Bürgermeister, deren Städte Mitglied
im Rigakomitee sind, am 7.Juli nach Riga fliegen und dort Erinnerungsarbeit
leisten, indem sie z.B. die Gedenkstätte im Wald von Bikernieki besuchen, wo in
Massengräbern auch viele Coesfelder Juden ruhen. Die Klasse 8c hat mit ihrer Lehrerin Claudia Haßkamp auf
einem Gang an ehemaligen Adressen der Juden, an der Synagoge und dem alten
jüdischen Friedhof Steine gesammelt, die Bürgermeister Öhmann auf der
Gedenkstätte nach altem jüdischen Brauch niederlegen wird. Außerdem haben die
Schüler fiktive Briefe an jeden der 19 jüdischen Mitbürger geschrieben, worin
sie biografische Informationen verarbeitet haben. Jeder dieser Briefe endet mit
dem Versprechen, dass die Schüler/innen sich erinnern und nicht vergessen
wollen. Die Klasse war in hervorragender Weise geeignet, an der Vorbereitung mitzuwirken, weil sie vor
eineinhalb Jahren den Holocaust-Gedenktag auf dem jüdischen Friedhof gestaltete
und ein Projekt vorstellte, das sich aus dem Deutschunterricht entwickelte: das
Lesen zweier Jugendbücher, in denen es um das Untertauchen und Überleben
jüdischer Kinder während des Dritten Reiches ging. Herr Öhmann zeigte sich vom
Engagement und Einfühlungsvermögen der Schüler/innen beeindruckt und bedankte
sich herzlich.
Beispiele für Briefe, die die Schüler schrieben:
Lieber Karl-Heinz Freund,
nun sehe ich dich hier auf dem einzigen erhaltenen Foto. Es
zeigt dich im Schlosspark im Kreise der zur Deportation zusammengetriebenen
Coesfelder Juden, auf dem Foto bist du erst sieben Jahre alt. Du hast bestimmt
nicht gewusst, was dich erwartet, als du da standest. Die lange und quälende Zugfahrt, Tage mir zu wenig Essen und
Trinken. Ich weiß nicht, ob du mithelfen musstest zu arbeiten. Aber es war
bestimmt sehr schlimm, alles mit anzusehen, du hattest sicherlich Angst. Du als kleiner unschuldiger Junge, ich kann das nicht
verstehen…. Du hättest noch so lange leben können, so viele Jahre
hattest du noch vor dir. Ich wünschte, du wärest friedlicher gestorben. Wir denken alle an dich und an die anderen Menschen auf dem
Bild, die dasselbe Schicksal erleiden mussten. Deine Tatjana Orazov ( Theodor-Heuss-Realschule, Kl. 8c)
Hallo, Erich Isaak, auf dem Bild stehst du ganz hinten in der Mitte. Du warst 40
Jahre alt, warst ein Händler und Mitglied in einem Schützenverein und
Orchesterverein. Du wohntest auf der Dülmener Straße, die heute sehr befahren
ist. Ich kann nicht verstehen, wie man für seine Religion so
gefoltert und letztendlich ermordet werden kann. Diese Qualen und Ängste hat kein Mensch verdient. Ich werde dich nicht vergessen. Niklas Raczek (Kl.
8c Theodor-Heuss-Realschule)
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